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Premiere von "damals vor graz" im Grazer Schauspielhaus

Es ist eine Begegnung der besonderen Art, wenn der Regisseur Philip Tiedemann, bekannt für seine musikalischen Interpretationen von Theatertexten, auf den Sprachund Klangpoeten Gert Jonke trifft. Entstanden ist daraus die Neufassung von Gert Jonkes „damals vor graz“, ein in einem erfundenen Dialekt geschriebenes Stück.

Philip Tiedemann montierte aus „damals vor graz“ und weiteren Texten von Gert Jonke eine Spielfassung, eine musikalisch und rhythmisch durchkomponierte Sprachpartitur für fünf Schauspieler: Beim Blättern im Reisetagebuch des Dichters werden längst vergangene Gefühle und Leidenschaften wieder lebendig. Aus dem Dunkel der Vergangenheit tauchen Bilder einer Zugreise auf, eine Liebesnacht im Schlafwagenabteil, Landschaften ziehen vorüber, alles ist bewegt vom Rhythmus der Lok. Kaum ist die Nacht vorbei, verlieren sich die Liebenden. Vorher versprechen sie einander, sich wieder zu sehen. In Graz, wo die Mur fließt und der Uhrturm steht. Aber sie werden Graz nie erreichen ... Was bleibt, ist des Dichters Erinnerung an eine einzigartige Nacht, ohne zu wissen, was damals wirklich geschah oder was lediglich in der Phantasie existierte. In Gert Jonkes Universum sind Zeit und Raum aufgehoben, Erinnerung wird zur Gegenwart, Vertrautes wird plötzlich fremd, das wahrhaft Wirkliche ist das Nicht-Existierende.

Gert Jonke,
geboren 1946 in Klagenfurt. Ab 1956 besucht Gert Jonke das Städtische Landeskonservatorium, um Klavier zu lernen. Als 15-jähriger schreibt Jonke sein erstes Gedicht und beschließt, Schriftsteller zu werden. In den 60er Jahren schließt sich Jonke der Grazer Künstlergruppe Forum Stadtpark an. 1969 erscheint sein erstes Buch „Geometrischer Heimatroman“.

Ein Anti-Heimatroman, der Jonkes sprachexperimentelles Verfahren in die Nähe der „Wiener Gruppe“ ansiedelt. Anfang der 70er Jahre entstehen seine ersten Theaterstücke. Die 1977 erschienene Erzählung „Schule der Geläufigkeit“ markiert einen Wendepunkt: das formale Experiment rückt zugunsten der Lust am Erzählerischen in den Hintergrund. Gert Jonke wird der 1. Ingeborg-Bachmann-Preis verliehen. 1989 wird „damals vor graz“ im Forum Stadtparktheater gezeigt. Der Text, geschrieben in einem erfundenen Dialekt, war in den 70er Jahren in den „manuskripten“ erschienen sowie vom WDR, SR, SDR und ORF als Hörspiel gesendet worden.

1992 ist Gert Jonke Stadtschreiber in Graz. Ende der 90er Jahre erhält Gert Jonke zahlreiche Preise, u.a. den Großen Staatspreis für österreichische Literatur (2002). Im Rahmen „Graz 2003 - Kulturhauptstadt Europas“ wird „Chorphantasie“ als Koproduktion mit dem Burgtheater im Schauspielhaus Graz uraufgeführt. Im Herbst 2005 wird am Burgtheater Wien „Die versunkene Kathedrale“ und „Seltsame Sache“ bei der Ruhrtriennale uraufgeführt.

Gert Jonke erhält den diesjährigen Kleist-Preis. Die Auszeichnung wird am 20. November im Berliner E verliehen.

Philip Tiedemann, Jg. 1969, der u.a. am Burgtheater Wien, am Berliner Ensemble, am Staatstheater Stuttgart, am Düsseldorfer Schauspielhaus und demnächst am Hamburger Schauspielhaus inszeniert, ist Spezialist für österreichische Theaterliteratur. Er inszenierte Stücke von Thomas Bernhard, Peter Handke, Ernst Jandl und Ödön von Horváth, Franzobel und Peter Turrini. „damals vor graz“ ist bereits seine zweite Arbeit am Schauspielhaus Graz. Seine Uraufführung von Anselm Glücks „innerhalb des gefrierpunktes“, eine Koproduktion zwischen Graz 2003, dem Düsseldorfer Schauspielhaus und dem Schauspielhaus Graz, fand viel beachtete Resonanz bei Presse und Publikum.

Tickets

T 0316 8000, F 0316 8008-1565

http://www.theater-graz.com

Ab:
21.10.2005 um 19:30

Aufführungsort:
Schauspielhaus Graz, Graz, Österreich

Veranstaltungsart:
Theater


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